30. Juli 2025

Stefis Besuch in FAMUNDI

Mittlerweile liegt meine Zeit als Volontärin bereits 5 Jahre zurück (noch vor Corona).
Die Zeit vergeht im Flug und es war schon viel zu lange her, dass ich alle zum letzten Mal gesehen habe. Also habe ich Ende April ganz kurzfristig aber festentschlossen meinen Rucksack gepackt und mich auf den Weg nach Bolivien gemacht. Insgesamt war ich 3 Wochen im Projekt vor Ort. Ein Besuch der schon längst überfällig war.
Bei der Landung in Santa Cruz wurde ich direkt 5 Jahre zurückversetzt. Auf den ersten Blick war noch alles ganz vertraut und schien wie beim Alten zu sein, so als wäre die Zeit stehen geblieben. Aber das ist ganz gewiss nicht der Fall, schon gar nicht bei FAMUNDI! Nach und nach erkannte ich die vielen Erneuerungen und Fortschritte. Am deutlichsten war der Unterschied für mich natürlich bei den ganzen vielen neuen Gesichtern der Kinder und Kollegen im Hort und Kindergarten, sowie neuen FAMUNDI Familien. So waren die ersten Tage ziemlich turbulent und aufregend mit der Eingewöhnung in den Alltag einer Volontärin. Da hieß es wieder mein zu verrostetes Spanisch auszupacken, ganz viele neue Namen merken und neue und auch altbekannte Aufgaben zu übernehmen. Zum Glück haben mich die Volontärinnen Anna und Barbara und das Team vor Ort, allen voran Mary Luz so herzlich aufgenommen, sodass ich mich ab dem ersten Moment an gut aufgehoben gefühlt habe.
Bei dem ersten Zusammenkommen bei der Oracion (Gebetsabend) traf ich dann ganz viele alt bekannte Gesichter wieder. Das war vermutlich mein Highlight des Besuchs, dass ich so viele Mitglieder (vor allem Mütter) des Projekts traf und auch die meisten direkt wieder erkannte. Es hat mich sehr berührt wieder mit allen sich auszutauschen, was so in den Jahren passiert ist. Einige Familien konnte ich dann in den darauf folgenden Tagen auch noch bei ihnen Zuhause besuchen.
Die Tage vergingen wie im Flug und der Tag meiner Abreise kam viel zu schnell. Unter vielen Tränen habe ich mich verabschiedet von meinen Freunden in Bolivien und bin meine weitere Reise nach Peru angetreten.
Ich bin unheimlich dankbar für die Chance FAMUNDI wieder besucht haben zu können. Ich hatte so nicht nur die Möglichkeit an meine Zeit als Volontärin anzuknöpfen, sondern konnte auch einen guten Einblick in die derzeitige Situation vor Ort bekommen. Die Bevölkerung Boliviens ist zum Großteil sehr arm, davon betroffen sind vor allem die indigenen Einwohner des Landes. Die schwache wirtschaftliche Lage führt zu hoher Arbeitslosigkeit, immer wieder zu Treibstoffengpässen und hoher Kriminalität. Auch Korruption ist ein großes Problem. Aktuell kommt verschärfend zu der Situation hinzu dass die Präsidentschaftswahlen anstehen. Zu meiner Zeit als Volontärin waren auch gerade Präsidentschaftswahlen, damals wurde Evo Morales zum Präsidenten wiedergewählt, obwohl er verfassungsrechtlich nicht einmal zur Wahl hätte antreten dürfen. Jedoch wurden Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung festgestellt von Wahlbeobachtern der Organisation amerikanischer Staaten (OAS), welche die Rechtmäßigkeit des Ergebnissen anzweifeln ließen. Damals kam es zu vielen Protesten landesweit auch Straßenblockaden wurden errichtet, worauf hin Evo Morales gezwungen wurde zurückzutreten und ins Exil flüchtete. Heute befindet sich das Land wieder in einer ähnlichen Situation: Evo Morales tritt erneut zur Präsidentschaftswahl an. Das Land ist tief gespalten, denn der umstrittene Präsident hat noch immer viele Anhänger, jedoch umso mehr Gegner, welches ein großes Konfliktpotential darstellt. Die Wahlen sind für den 17. August 2025 angesetzt und die Situation ist zugespitzt.

Stefanie Leeb