5. Juni 2024

Bericht unserer Volontärin

¡Buenos días! Mein Name ist Hanna Kronberger und ich bin die Volontärin, die gerade vor Ort im Haus des Segens lebt. Tatsächlich bin ich mittlerweile schon fast drei Monate in Bolivien, ich habe also schon sehr viel mit FAMUNDI erlebt! Von allem kann ich definitv nicht erzählen, doch ich starte erst einmal beim Anfang. Mein Aufenthalt begann um 4 Uhr in der Früh, als ich nach zwanzig Stunden im Flieger von Mary Luz und Amelie mit einem selbstgemachten Schild am Flughafen begrüßt wurde. Doch dieses warme Willkommen war nicht das Einzige, denn jede Person, die ich die kommende Woche traf, begrüßte mich sehr herzlich. Vor allem der erste Gebetsabend an dem ich teilnehmen konnte, war dabei eine Möglichkeit für mich, um viele Familien kennenzulernen, die alle zum Glück sehr geduldig mit meinem Spanisch waren.

Die Kinder lernte ich vor allem im Hort kennen, wo ich ihnen mit ihren Hausaufgaben helfe. Hier sind mir die Mathemathik Aufgaben am liebsten, obwohl ich mir erst mal wieder beibringen musste, wie man ohne Unterstützung eines Taschenrechners Aufgaben löst. Auch mit den Englisch Hausaufgaben helfe ich gerne und frische währenddessen auch mein eigenes Wissen etwas auf. Doch es geht natürlich nicht nur um die Arbeit, denn ich kann im Hort auch einfach Zeit mit den Kindern und Jugendlichen verbringen. Vor allem Spiele werden oft gespielt, sobald die Kinder ihre  Aufträge beendet haben, was immer ein großer Spaß ist. Ich arbeite auch sehr gerne im FAMUNDI-Kindergarten, obwohl es manchmal etwas chaotisch wird mit über hundert Kindern. Doch seit ich gelernt habe, wie alles abläuft, was alles zu tun ist und wie man Windeln wechselt, macht es mir noch viel mehr Spaß mit den Kindern zu malen, zu singen, zu spielen und generell einfach auf sie aufzupassen.

 

In den letzten Monaten durfte ich aber nicht nur den Alltag miterleben, sondern auch zwei große Feiertage mitfeiern, Carneval, also Fasching und Ostern. Carneval läuft etwas anders ab in Bolivien, denn Kostüme sind kein Teil davon. Stattdessen beschossen wir uns gegenseitig mit Wasser, Schaum und Farbe. Ein paar der Kinder fingen schnell an auch ganze Eimer mit Wasser zu füllen und andere damit zu verfolgen. Niemand blieb dabei verschont, aber ich glaube es machte ihnen vor allem Spaß, Amelie und mich zu überschütten. Am Ende der Faschingsfeier mit den Hortkindern waren wir also alle pitschnass, aber strahlten dafür auch übers ganze Gesicht.

Am ersten Tag der Osterwoche, also am Palmsonntag ging ich mit meiner Hausfamilie in die überfüllte Kirche, die richtig schön dekoriert war. Vor der Kirche waren Stände aufgebaut, an denen man Palmbuschen kaufen konnte und wir entschieden uns für Einen, der sehr gekonnt in die Form eines Kreuzes gebogen wurde. Es war das erste Mal, dass ich einen Palmbuschen aus tatsächlichen Palmblättern hatte! Die restliche Osterwoche war voller weiterer Traditionen, wie der „Adoración del Santísimo Sacramento“, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag stattfand. Die ganze Nacht wurde in der Kapelle gebetet, wobei sich die Familien, die Kindergartentanten und das Team von Famundi, inklusive mir, sich immer stündlich abwechselten. Am Karfreitag war ich dann Teil eines Kreuzweges, bei dem die Mitglieder vieler verschiedener Kirchen gemeinsam nach einer Messe durch die Straßen zur nächsten Kirche zogen. Insgesamt dauerte dieser Weg aufgrund von vieler Stationen etwa 2 ½ Stunden und es war sehr beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen trotz der Hitze gemeinsam unterwegs waren. Beim mañana de los niños am nächsten Tag feierten wir natürlich auch Ostern indem wir Eier färbten, Hasen aus Papier bastelten und vieles mehr. Leider fand ich erst nach dem Färben heraus, dass ich die Eier nicht lang genug gekocht hatte und sie noch relativ roh waren. Essen konnten wir sie also leider nicht gemeinsam, aber wenigstens sahen sie schön aus. Ich versteckte außerdem kleine Osterneste mit Süßigkeiten, die die Kinder nach kurzer Suche und ein paar Tipps natürlich fanden.

Doch nicht nur bolivianische Traditionen waren ein Teil meiner Zeit hier, denn ich brachte die Salzkammergut Tradition des Liebstattsonntags mit mir nach Santa Cruz! Der Liebstattsonntag war immer schon ein wichtiger Tag für meine Familie, weswegen es mir sehr viel Spaß machte, den Brauch auch weit weg von Österreich beizubehalten. Amelie, Ariane, Yennifer und ich backten und dekorierten also Lebkuchenherzen und verteilten sie am Montag nach dem Liebstattsonntag nach dem gemeinsamen Gebet. Alle waren sehr begeistert von den Herzen, so dass ich mehrmals nach dem Rezept gefragt wurde und die Hortkinder und ich auch für Ostern Lebkuchen backten und mit Zuckerguss dekorierten, um sie an alle zu verteilen.

 

Amelie und ich nutzten außerdem unsere gemeinsame Zeit, um noch weitere Teile Boliviens zu besuchen und brachen im Februar auf für eine einwöchige, unvergessliche Reise.

Unser erster Stopp war Sucre, die konstitutionelle  Hauptstadt Boliviens, in der wir das Regierungsgebäude, la casa de la libertad (das Haus der Freiheit), den riesigen Hauptmarkt und vieles mehr besuchten. Ich war sehr beeindruckt von der Architektur in Sucre, denn die Stadt hat den Namen „ciudad blanca“ (weiße Stadt) auf jeden Fall verdient. Sie ist voll von bewundernswerten weißen Gebäuden für die die Stadt bekannt. Weiters mussten wir natürlich auch die berühmte Schokolade in Sucre probieren und spazierten schließlich durch die Stadt, bis wir über Nacht mit einem Bus nach Uyuni weiterreisten. Uyuni ist bekannt für den Salar de Uyuni, die größte Salztonebene der Welt. Um diese beeindruckende Landschaft zu betrachten, buchten wir eine dreitägige Reise, die uns durch die Salzwüste und Teile der Anden führte. Der Salar de Uyuni war unglaublich schön, aufgrund der Reflektierungen und scheinbar endlosen Weiten der Ebene, aber auch die Gebirge der Region waren sehr eindrucksvoll. Unser Tourguide führte uns zu zahlreichen beachtlichen Orten, bei denen wir Geysire, Lagunen mit Flamingos, Thermalquellen, Regenbogenberge und vieles mehr erstaunten.

 

Nach dieser einzigartigen Reise kehrten wir pünktlich nach Santa Cruz zurück, um Amelies Geburtstag zu feiern! Die Jugendlichen brachten uns Tänze bei, wir aßen Salteñas, Kuchen und die Hortkinder bastelten Karten, um Amelie zum Geburtstag zu gratulieren. Was sehr süß war, obwohl nicht nur ich manchen Kindern beim Basteln der Geburtstagskarten half, auch Amelie wurde ein paar Mal nach Unterstützung gefragt!

Zwei Wochen nach ihrem Geburtstag war es dann schon Zeit Abschied von Amelie zu nehmen, da sie nun nach sechs Monaten in Bolivien wieder nach Österreich zurückflog. Es ist natürlich schade, dass ich jetzt die einzige Volontärin hier bin, aber ich bin nichtsdestotrotz dankbar, dass ich in meiner ersten Zeit hier jemanden hatte. So war es viel einfacher mich mit allem vertraut zu machen und ich freue mich schon darauf Amelie in Österreich wieder zu sehen! Doch bis dahin werde ich weiterhin das Beste aus meiner Zeit hier machen, Bolivien genießen und hoffentlich mein Spanisch noch etwas verbessern!

Liebe Grüße aus Santa Cruz

Hanna 🙂

Über Anna-Maria Marschner

Gründerin und Obfrau von FAMUNDI

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