Berichte

16.06.08FAMUNDI-Kindergarten seit März geöffnet NEU
12.01.08 Bericht vom Vorbereitungstag für die zuküngiten Volontäre
Eine neue Familie für Famundi
Olympiade de las Aldeas de Padre Alfredo
Der Hl.Martin in Santa Cruz
Bericht von Angela Knopper
Bericht vom 4. Aufenthalt in Bolivien
Bericht von Kathrin Unterhofer


FAMUNDI-Kindergarten seit März geöffnet
Am 10. März öffnete der FAMUNDI-Kindergarten "Divina Misericordia" seine Türen im Viertel Los Chacos in Santa Cruz.
Es zählt sicher zu den schrecklichsten Bereichen in den bolivianischen Armenvierteln, dass oftmals Babys und Kleinkinder stundenlang in ihren Hütten allein gelassen werden, während ihre Eltern ihrer Arbeit nachgehen. So ist es nur ein Beispiel von vielen, dass der kleine einjährige Samuelito oftmals mit seinen Geschwistern José und Josué (vier und fünf Jahre alt) allein in der Hütte zurückgelassen wurde, während die Mutter Essen verkaufte oder Wäsche wusch.
Zum Wohl dieser Kinder entschied sich der Verein FAMUNDI im Jahr 2006 dazu ein Grundstück zu kaufen und einen Kindergarten errichten zu lassen. Nach einem Jahr Bauzeit konnte am 10.März die "Guardería Divina Misericordia" der göttlichen Barmherzigkeit geweiht werden und ihre Pforten für etwa 40 Kinder öffnen. Insgesamt bietet der Kindergarten Platz für ca. 70 Kinder in drei Gruppen, wobei in einer Kinderkrippe bereits Babys ab 6 Monaten betreut werden.
Erfreulicherweise bekommt FAMUNDI für den Kindergarten erstmals auch Unterstützung von der Stadt - so werden 70% der Gehälter der Kindergärtnerinnen und der Köchin bezahlt.
Viele verwahrloste Kinder sollen im Kindergarten spüren, dass sie geliebt werden, dass sich jemand Zeit für sie nimmt und ihr Leben wertvoll ist. Hoffen wir, dass die Kleinsten hier gute Wurzeln für ihr Leben schlagen können und glückliche Stunden verbringen!


Johanna Loudon schreibt über den Vorbereitungstag für die zukünftigen Volontäre für Famundi
Für mich hat der Vorbereitungstag schon am Freitagabend in Wels begonnen. Verena hat dort einen sehr guten Vortrag über ihre Zeit in Bolivien gehalten. Meine Eltern haben mich dorthin begleitet, weil sie Anna-Maria kennenlernen wollten und auch genauere Informationen zu meinen nächsten Monaten haben wollten.
Ich wusste von Anna-Maria, dass Julia, eine weitere zukünftige Volontärin, auch mit ihr nach Gmunden fahren und bei ihr übernachten würde.
Nach dem Vortrag hatten wir noch sehr nette Gespräche mit ehemaligen Volontären und dann eine sehr gesprächsreiche Autofahrt nach Gmunden (ich konnte natürlich nicht bis Samstag warten, um alle meine Fragen zu stellenJ!) . Auch in Anna-Marias Wohnung haben wir noch lange gequatscht und es war sehr gemütlich. Anna-Maria nannte es FAMUNDI-Feeling, als sie uns nebenan reden hörte und bekam ein wenig Fernweh.

Am Samstag hat Anna-Maria Julia und mich aufgeweckt und wir haben schnell gefrühstückt, bevor die anderen Mädls gekommen sind.
Tini und Susi kamen mit Sophie, die sie vom Bahnhof abgeholt haben. Sophie hätte zu zweit aus Innsbruck kommen sollen, aber Marianne war krank.

Begonnen hat unser Programm mit der spanischen Laudes und einem Lied - genauso wie es in Bolivien sein wird. Manche haben mehr, manche weniger verstandenJ.
Danach haben wir ein "Kennenlern-Spiel" gespielt. Die Fragen behandelten unsere Familien, unseren Glauben und unsere Ziele und Vorstellungen für Bolivien.
Dann gab es (nach langem Kampf mit dem Beamer) eine ausführliche Power-Point-Präsentation mit vielen Bildern, Informationen und Ratschlägen.
Nachdem man schon einige Zeit diverse Mägen knurren hörte unterbrachen wir die Präsentation um Mittagessen zu gehen. Auch in der Pizzeria waren alle gut gelaunt und redselig.
Wieder in Anna-Marias Wohnung angekommen, gab es noch Kaffee und Kuchen, bevor wir die Präsentation fortsetzten.
Anna-Maria erzählte nun ganz genau von einigen FMUNDI Familien, von den Leitern vor Ort, den anderen Volontären und diversen Erlebnissen, die sie selbst bei all den Besuchen gemacht hat. Bei diesem Punkt kamen natürlich auch immer mehr Fragen auf. Sei es darüber, was einzupacken sei, oder was es dort zu essen gäbe, wie unsere Tage konkret aussähen usw. Wir sprachen auch ausführlich über Sicherheitsmaßnahmen, an wen wir uns bei Problemen wenden und wie man sich vor Mücken schützt. ("Also wie viele Flaschen No Bite nehme ich jetzt mit?"J!)

Die Zeit verflog und Anna-Maria musste einiges von der Programmliste streichen. Zum Abschluss unterschrieben wir alle eine Verantwortungserklärung und beteten gemeinsam.

In der Zeit vor unserer Vorbereitung habe ich immer wieder zu Freunden gesagt: "Noch bin ich nicht nervös, aber danach werde ich es sein". Das hat sich nicht bewahrheitet. Ich habe zwar viel genauere Informationen und Vorstellungen bekommen, aber es war nichts dabei, wo ich mir gedacht habe "O nein, das muss ich alles noch organisieren und es geht sich nicht mehr aus".
Es war sehr interessant Anna-Maria und einige der anderen Volontäre, die schließlich zeitgleich mit mir dort sein werden, kennenzulernen.

Eintritt einer neuen Familie in die Gemeinschaft FAMUNDI
Es ist halb acht. Ich gehe in den Hof und sperre das Tor auf. Eine Mutter mit drei ihrer Kinder sitzt bereits davor. Sie wartet auf Elba, unsere Sozialarbeiterin. Als diese um neun Uhr eintrifft gehen sie gemeinsam ins Büro. Elba kennt die Mutter bereits, da sie bei den Gebetsabenden schon des öfteren hier im Haus des Segens war. Sie schildert kurz ihre Probleme. Sie muss die 7 Kinder gemeinsam mit ihrem 16jährigen Sohn ernähren. Der Vater ist meistens betrunken und alles was er als Maurer verdient wird in Alkoholika umgesetzt.

Am Nachmittag machen wir uns auf zum Haus der Familie. Berge von Wäsche liegen am Boden. Die Kinder helfen beim Waschen. Wir haben Mehl, Reis und Kartoffeln für die Familie mitgebracht. Die Kinder sehen uns mit großen Augen an, doch das Eis ist bald gebrochen. Wir spielen mit den Kindern sodass sich Elba mit der Mutter ungestört unterhalten und die Daten der Familie aufnehemen kann. Die Mutter erzählt dass sie aus einer kinderreichen Familie stammt. Sie wuchs am Land auf und mit kaum 12 Jahren musste sie in der Stadt Trinidad arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Mit 15 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, zwei Jahre später kam das zweite Kind zur Welt. Seitdem hatte die 32jährige Frau nicht mehr die Möglichkeit ihre eigene Mutter zu besuchen. Sie erklärte Elba, dass sie sich sehr danach sehne, ihre Eltern wieder zu treffen, aber ihr fehlen natürlich die finanziellen Mittel dafür. Im Moment ist sie damit beschäftigt, Geld für ihre Familie zu verdienen, um ihre Kinder ernähren zu können. Die Mutter meinte, dass auch der Kindergarten eine große Erleichterung für sie sein würde.

Vor etwa einem Jahr zog sie mit ihrem Mann nach Santa Cruz. Nun wohnen sie in einem kleinen gemauerten Haus mit zwei Zimmern. Das klingt vielleicht recht nett, aber man muss sich vorstellen, dass die Fläche des Hauses insgesamt nur etwa 8 m2 gross ist. Mit einem solchen Heim sind sie schon besser dran als viele andere Familien unserer Gemeinschaft.

Zwei Wochen später: Wir besuchen die Familie erneut, um ihnen mitzuteilen, dass sie für die nächsten drei Monate probeweise Mitglieder in der Gemeinschaft FAMUNDI sind. Gleichzeitig erklärt Elba, was das zu bedeuten hat. FAMUNDI - eine Gemeinschaft des Gebens und des Nehmens, des Teilens und Empfangens. Es ist ein Verein, der Menschen verbindet - mehr als nur Beziehen von materiellen Dingen. Die Mutter ist sichtlich erleichtert, und wir sind froh, Überbringer von so positiven Nachrichten sein zu dürfen.

Am Montag darauf kommt die Mutter mit ihrem jüngsten Kind zum Gebetsabend. Wir zeigen ihr den Hort und die Kapelle. Am folgenden Samstag besucht der älteste Sohn erstmals das Jugendtreffen. Da die Kinder etwas schüchtern sind, beschließen wir, sie für den Hort ein paar mal von zu Hause abzuholen.

Wir hoffen, dass sich die Familie mit all ihren Stärken gut in unsere Gemeinschaft integrieren kann.

Nachtrag:
Als ich übrigens das letzte Mal bei der Familie war, kochte die älteste Tochter - Yaneth (15 Jahre alt) - mit dem Baby am Arm für ihre beiden Geschwister das Mittagessen. Die Mutter war bei der Arbeit und wieder mussten die Kinder zu Hause für sich selbst sorgen. Yaneth erklärte mir, dass sie nächste Woche auch arbeiten würde. Zeitungen verkaufen im benachbarten Stadtteil. Ich fragte, wer denn dann auf ihre Geschwister aufpassen würde. Sie antwortete: "Das macht dann Blanca. Sie ist ja auch schon 8 Jahre alt und muss es lernen. Ich musste ja auch schon mit 6 Jahren auf meine Geschwister schauen und ihnen das Essen kochen."

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Olympiade de las Aldeas de Padre Alfredo- Dabei sein ist alles
Die letzten beiden Wochen standen ganz im Zeichen der Olympiade des Kinderdorfes von Padre Alfredo. Es war eine Olympiade bei der Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre aus allen sozialen Einrichtungen von Santa Cruz mitmachen konnten. Jeder Teilnehmer durfte nur mit gültiger Geburtsurkunde bzw. einem ausgestellten Nachweis mitmachen. Das allein forderte uns schon sehr, denn viele Kinder besitzen kein solches "certificádo". Als wir endlich alle Nachweise kopiert und Fotos von den Kindern geknipst hatten, kamen erst die richtigen Vorbereitungen. Die Hauptarbeit bestand nämlich im Training. Volleyball, Basketball, Fußball, Hallenfußball, Schach, Athletik und Blanqueo (eine Art Völkerball) standen am Programm. Armando (wie Ruthy auch im Kinderheim aufgewachsen und ebenfalls im Famundi - Equipe) meldete uns gleich für alle Sportarten an. Ich fragte "Wann sollen wir das nur alles trainieren?" "Das machen wir schon." , antwortete er gelassen und so machte ich mir auch weiterhin Sorgen aber fand mich damit ab. Armando wird schon wissen...

Ich hatte das Training der Volleyballgruppe übernommen. Es war wirklich harte Arbeit. Keine der Spielerinnen hatten Anfangs auch nur einen Hauch einer Ahnung von diesem Spiel. Bis zur Olympiade hatte ich die chicas aber wenigstens so weit, dass nicht mehr stocksteif am Spielfeld standen und ihre Hände schützend über den Köpfen hielten wenn ein Ball vom Gegner nahte. Anfangs konnten wir maximal 15 Minuten üben, da danach schon alle jammerten: "mis manos duelen!". Aufgeregt zeigten mir alle ihre Unterarme welche meiner Meinung nach gleich dunkelbraun waren wie vorher. Jeden Abend der Vorwoche trainierten wir am Sportplatz und am Schluss wurden die Mädels schon fast ein wenig fanatisch.

Am Freitag Abend war es dann soweit. Wir trafen uns alle hier bei uns im Haus des Segens um gemeinsam zu den Aldeas de Padre Alfredo zu fahren. Alle Kids kamen gleich gekleidet hier an. Dunkelblaues T - Shirt und Turnhose (nicht zu kurz!) - so wie es Ruthy am Vorabend angeordnet hatte. Hugo kam mit der Famundi - Camionetta an. Das ist ein Gefährt welches sich nur schwer beschreiben lässt. Es ist eine Art Kleinlastwagen (gibt es dieses Wort?) mit einer Ladefläche. Das besondere an diesem Auto ist, ich hab noch nie ein Auto mit so wenigen Bestandteilen und so vielen Rostflecken gesehen, das trotzdem fährt. Sitzt man im Inneren, so kann man durch die Bodenplatte auf die Straße sehen. Es ist gigantisch. Aber sie (die Camionetta) leistete ursprünglich eigentlich immer recht gute Dienste. Meine Wortwahl lässt wahrscheinlich schon auf die kommenden Ereignisse schließen. Alle Kinder wollten natürlich gleichzeitig auf die Ladefläche und zum Schluss waren sicher um die 35 Kinder auf dem kleinen Auto. Jubelnd fuhr die Camionetta davon und die Kinder winkten uns noch fröhlich zu. Wir machten uns mit den restlichen 15 Kindern auf um mit der Micro zum Kinderdorf zu fahren. Das war gar nicht so einfach, denn die Busse sind abends meistens so vollgestopft, dass schon 3 bis 4 Leute bei der Tür "heraushängen". Zwischendurch bekam Ruthy einen Anruf von Hugo. Die Camionetta war stehen geblieben machte keinen Zucker mehr. So fuhren die Kinder mit dem Taxi zum Kinderdorf und auch wir kamen so recht und schlecht dort an. Übrigens: 9 Leute haben leicht in einem Taxi platz - Fahrer nicht miteinberechnet.

Endlich angekommen nahmen wir auf der Tribüne platz. Als alle Teilnehmer im Saal waren, gab es einen großen Einzug bei dem jedes Team aufmarschierte und vorgestellt wurde. Jede Gruppe bekam eine Tafel mit dem entsprechenden Namen. Da gab es "Die kleinen Brüder", "Kinderdorf San José", "Heim der Hoffnung", "Aldeas de Padre Alfredo",... und natürlich auch eine Tafel mit "Famundi". Es wurde ein Mädchen von uns ausgewählt, welches die Ehre hatte, diese Tafel zu tragen und das Team beim Umzug anzuführen.

Nachdem alle Aufstellung genommen hatten gab es einige Ansprachen von wichtigen Persönlichkeiten der Stadt Santa Cruz. Plötzlich hörte man Lärm von draußen und unter tosendem Applaus wurde Padre Alfredo im Rollstuhl in die Halle geschoben. Er winkte allen fröhlich zu und man konnte die Verbundenheit zu seinen Kindern spüren. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis er wieder auf den Beinen ist, denn er hatte in der Woche davor eine Hüftoperation. Nachdem auch er die Teilnehmer begrüßt hatte und wir gemeinsam gebetet hatten sangen wir alle (außer den Volontären, die man in allen der Kinderheim-Gruppen leicht an ihrem Aussehen erkennen konnte) die bolivianische Hymne und die Hymne von Santa Cruz. Dann durften sich die Teams wieder zu ihren Plätzen begeben.

Nun standen nur mehr die Schönheiten mit ihren Tafeln am Spielfeld und jede musste am "catwalk" eine Runde drehen. Tanja machte es ganz toll. Sie winkte den jubelnden Famundi - Kindern auf der Tribüne charmant zu. Es beeindruckte die Jury anscheinend, dass das Mädchen nicht wie die anderen jungen Damen vor den Juroren posierte, sondern zu ihrem Team aufschaute. Denn nach einigen Momenten der Spannung erfuhren wir von der amtierenden "Miss Bolivia" das Ergebnis. Unsere Tanja gewann den Bewerb und wurde zur "Reina de la Olympiada 2007 de las Aldeas de Padre Alfredo" gekrönt. Man kann sich den Jubel auf der Famundi - Tribüne vorstellen. Glücklich über diesen ersten Sieg fuhren wir dann mit der hauseigenen Aldea - Micro nach Hause. Nur ein paar Kinder nahmen auf der Ladefläche der Camionetta platz, die zu diesem Zeitpunkt bereits wieder funktionstüchtig vor dem Kinderheim stand.

Tag 2 der Olympiade: Alles begann damit, dass es in der Früh wie aus Kübeln goss. Wie üblich kamen die Kinder nicht zur vereinbarten Zeit. Um dreiviertel 9 bekam ich dann zum zweiten Mal leichtes Bauchkribbeln, da der Spielplan recht straff war und wir um 9 Uhr auf dem Spielfeld hätten sein sollen. Hugo war mit der Camionetta um 5 vor 9 immer noch nicht in Sicht und so machten wir uns auf den Weg um mit der Mikro zu fahren. Unterwegs vermehrte sich die Anzahl der Kinder bedeutend. An jedem Hauseck wurden wir mehr und am Schluss waren wir fast gleich viele blau gekleidete Kinder wie am Vorabend. Nach einigen Telefonaten hatte Ruthy den Bus vom Kinderheim bestellt und beinahe pünktlich, um 9 : 50 waren wir am Spielfeld. Einige Spiele wurden nach drinnen verlegt, und so gab es ohnehin Verzögerungen ohne Ende.

Ich möchte die Tage 3, 4 und 5 mit einigen Worten kurz zusammenfassen: Wir kamen immer zu spät, immer wenn wir dachten jetzt funktioniert unser Gefährt wieder blieb es irgendwo stehen und unsere Kinder spielten wirklich miserabel. Es war schlimm, als wir am 4. Tag alle - aber wirklich alle Spiele verloren hatten. Da wusste auch ich nicht mehr, wie ich die Kids motivieren sollte. Nur die Jungs konnten im Fußball einige Punkte machen. Aber die Kinder die zur verbalen Unterstützung mitgekommen waren ließen sich nicht beirren: "Ganamos, Perdimos, igual nos divertimos!". Das war unser Leitspruch für die ganze Woche und bedeutet in etwa Folgendes "Egal ob wir gewinnen oder verlieren, wir haben Freude dran!". Ich konnte mir die Spiele irgendwann nicht mehr ansehen und bin am Tag 5 im Famundi - Haus geblieben um hier einige Arbeiten zu erledigen. Und tatsächlich gewannen die Teams da mal das eine oder anders Spiel. So wurde mir für die restlichen Tage der Besuch an der Olympiade untersagt J denn immer wenn ich mitgekommen bin, haben wir verloren.

Am Freitag fanden die Finalspiele statt und oh Wunder - auch wir durften im Finale gegen einige starke Gegner antreten. Die Mädchen wurden dadurch auf Platz drei versetzt und die Jungs gewannen sogar mal haushoch. Wer hätte das gedacht. Am Nachmittag fuhren wir dann mit allen Kindern ins Kinderheim wo es eine große Preisverleihung gab. Auch wir bekamen einige Medaillen und auch Pokale ab. Glücklich über die errungenen Siege gings abends dann zurück zum Famundi - Haus.

Es war eine aufregende Woche für uns und ich hoffe, dass die Kinder Lust auf mehr bekommen haben. Ab nächster Woche werden wir am Platz ganz in der Nähe Volleyball- und Basketball - Training anbieten und ich bin schon neugierig wie viele Interessenten es geben wird. Alles in allem möchte ich abschließend nur noch so viel zu der Olympiade sagen "Wir können zwar nicht Ball spielen, aber dafür sind wir die Schönsten!"

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Der Heilige Martin in Santa Cruz
Schon in der Woche vor dem 11. November machte sich bei den Kindern im Hort große Aufregung bemerkbar. Laternen sollten gebastelt werden, jedoch ganz andere, als die welche die Kinder hier normalerweise basteln. Wir setzten uns mit den Buben und Mädchen an einen Tisch und wie am Fließband ging es nun dahin. Ein Kind zeichnete Sterne und Monde auf buntes Papier, das nächste Kind schnitt die Formen aus und das dritte Kind beklebte die entstandenen Löcher mit durchsichtigen Papier. So entstanden nach und nach Laternen für unser Martinsfest. Nach zwei Tagen harter Arbeit waren wir fertig. Fast 60 Laternen schmückten den Fußboden unseres Büros. Die Kinder waren begeistert und wir natürlich auch.
Am Samstag Nachmittag studierten wir mit den Chorkindern ein übersetztes Martinslied ein, welches sie ab diesem Zeitpunkt tagaus tagein sangen. So konnten alle Sänger bis zum besagten Tag das Lied auswendig und wir konnten sogar mit einer passenden Rasselbegleitung aufwarten. Um die Geschichte mit dem Mantel nachzustellen benötigten wir natürlich einen heiligen Martin und einen armen Mann. Sogleich gab es zwei Freiwillige und nachdem wir auch ein Schwert aus Karton gebastelt hatten, stand dem Theaterstück nichts mehr im Wege. Ein Mädchen bot sogar an, mit ihrem Pferd vorbeizukommen.
Am Samstag dem 10 November trafen wir uns dann mit den Jugendlichen unserer Famundigemeinschaft. Wir hatten den ganzen Nachmittag zu tun, denn es galt, 10 Bischofsbrote für das Fest herzustellen. Gemeinsam wurden Eier verquirlt, Zucker, Rosinen, und Zimt hinzugefügt, und die Mandeln mit einem großen Mörser zerstampft. Diese Arbeit übernahm natürlich der männliche Teil der Jugendgruppe. Das Brot musste eine Stunde backen und dann konnten wir unser Werk bewundern. Mit vereinten Kräften schafften wir die Backwaren zu uns in die Volontärswohnung, wo der Zimt - Geruch des süßen Kuchens irgendwie an Weihnachten erinnerte. Alles war also vorbereitet, alle Einladungen verteilt und so stand einem gelungen Fest nichts mehr im Wege.
Am Sonntag in der Früh schaute ich aus dem Fenster. Regen! Starker Regen! Das Problem bei dem Regen hier ist, dass das Wasser von den Straßen nicht mehr abrinnt. So steht also die ganze Straße unter Wasser und man muss schon einen Ort suchen, wenn man die Straße überqueren möchte. Am Nachmittag hörte es dann auf zu regnen. Die Straßen waren aber trotzdem noch matschig und nass. "Es nützt nichts!" dachte ich mir, "Wir können unser Fest nicht verschieben. Es werden eben weniger Leute kommen als geplant."
Um 18 Uhr sollte es dann soweit sein. Ich ging in den Hof hinunter und sah mich um. Zwei Kinder spielten am Tor. Eine Mutter fragte mich, ob das Fest heute wäre. Ich bejahte und blickte suchend auf die Straße. Kein Mensch weit und breit. Ich setzte mich zu der Mutter und gemeinsam warteten wir. Langsam sah ich dann den "Heiligen Martin" daher schlendern. Der Bub der den Bettler spielen sollte, wohnt im Nachbarhaus. Ich machte mich auf um mal nachzufragen. "Pablo schläft gerade." antwortete seine Mutter gelassen. Als ich ihr erklärte, dass er in unserem Theaterstück eine wichtige Rolle zu spielen hätte, machte sie sich dann doch auf um ihn zu wecken. Ein paar Minuten später blickten mich dann zwei verschlafene Augen an. "Rapido!" rief ich dem kleinen Pablo noch zu und verabschiedete mich schnellen Schrittes um nachzusehen ob weitere Gäste eingetrudelt sein. Tatsächlich hatte sich die Zahl nun auf ca. 10 Personen erhöht. Ich war "etwas" angespannt. Und sah mich schon den restlichen November Bischofsbrot essen. Dann kam Elba, die Sozialarbeiterin, mit ihren Kindern. Sie beruhigte mich gleich und meinte, dass es die Menschen hier mit der Uhrzeit nicht so genau nehmen würden.
Ich machte mich auf, den "Heiligen Martin" zu suchen um ihn mit Schwert und Umhang zu bekleiden. Ich erklärte ihm auch gleich, dass er wahrscheinlich zu Fuß gehen müsse. Es war nun mittlerweile schon halb 7 und nach und nach sammelten sich wirklich immer mehr Kinder auf der Straße und in unserem Innhof an.
Plötzlich gab es große Aufregung vor unserem Tor. "Un caballo esta aqui!" riefen einige der Kinder laut. Ich traute meinen Ohren und Augen nicht, aber tatsächlich standen da zwei Pferde vor unserem Haus die nur darauf warteten, den Heiligen Martin durchs Viertel zu tragen. Wir versammelten die Kinder im Hof und verteilten die Laternen. Im Nu entstand ein ganzes Lichtermeer vor dem Famundihaus. Nachdem wir ein gemeinsames Gebet gesprochen hatten, setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Der Heilige Martin hoch zu Ross bildete die Spitze. Die matschige Straße störte die Kinder überhaupt nicht. "Das sind sie gewohnt", meinte Elba, als ich zum zweiten Mal in eine große Lacke stieg.
Bei einem der Famundi - Häuser blieb der gesamte Zug stehen. Die Lebensgeschichte vom Heiligen Martin wurde kurz erläutert. Beim nächsten Halt saß der arme Pablo spärlich bekleidet am Boden und wartete auf San Martin. Dieser kam dahergeritten, zerteilte mit seinem Schwert gekonnt den Umhang und zog dann mit seinem Ross von dannen. Aufgrund der schlechten Straßenbeschaffenheit verkürzten wir unseren Umzug und gingen gleich zurück zum Famundihaus. Alle lauschten den Klängen des Chors, der das perfekt einstudierte Martinslied lautstark präsentierte.
Zum Abschluss unserer Feier verteilten wir das Bischofsbrot und Plastikbecher mit Saft. Aufgrund der Anzahl unserer Becher wusste ich, dass sich nun mittlerweile fast 100 Personen im großen Saal befanden. Das Brot wurde zur Gänze aufgegessen, und nachdem sich alle herzlich bedankt hatten, zeugten nur noch die Schmutzspuren im Hof von der Menschenmenge, die sich noch vor kurzem hier tummelte. Einige Frauen blieben, um beim Aufräumen zu helfen.
Ich war überglücklich, denn das Martinsfest war wirklich ein voller Erfolg!

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Erfahrungsbericht - Angela Knopper
Strahlender Sonnenschein, Hitze, prasselnder Regen, überschwemmte Straßen, der Kampf mit dem ständigen Schlamm, singende Kröten, exotische Früchte, bunte Märkte und lachende Menschen,
...das sind nur wenige erste Eindrücke, die ich während meines 3-monatigen Freiwilligeneinsatzes in Santa Cruz, Bolivien sammeln durfte.
Santa Cruz de la Sierra ist eine Millionenstadt, in der die Kluft zwischen Arm und Reich nicht größer sein könnte: schöne Bauten, eine wunderschöne Kathedrale, gute Infrastruktur, aber nur für die Reichen. Sieht man jedoch außerhalb des Stadtkerns, erlebt man pure Armut: kein Straßensystem, kein Kanalsystem, unzureichende medizinische Versorgung (meist nur erschwinglich für Reiche) und kein soziales Unterstützungssystem.

Ich verbrachte die Wintermonate Dezember, Jänner und Februar im Armenviertel Rancho Nuevo, in der Gemeinschaft Famundi und erlebte Armut in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen und Facetten.
Nicht nur Ängste um Existenzsicherung, sondern auch Gedanken über unzureichende materielle Ausstattung (beispielsweise 2 Betten für eine 9-köpfige Familie, keine Tische oder Sessel, unzureichende Kochmöglichkeit, keine sanitären Anlagen) erschweren es vielen Bolivianern, sich mit persönlichen Lebenszielen und Glaubensfragen auseinander zusetzen. Die Gedanken kreisen oftmals rein um Überlebensfragen. Verschiedene Ansichtsweisen, Unterschiede in der Mentalität gestalten das Leben in Santa Cruz sehr spannend und herausfordernd. Nicht nur veraltete Erziehungsmethoden, sowie andere Wert- und Lebenseinstellungen der Bolivianer machten es zu einer sehr emotionalen Zeit, in der meine persönlichen Grenzen stark ausgetestet wurden.

Verschiedenste Eindrücke über das Leben, über die Menschen, die Naturschönheit, die Einfachheit strömten auf mich ein: Ich war schockiert, traurig, entsetzt über die Machtlosigkeit und Hilflosigkeit den Menschen geeignete Hilfe entgegenzubringen, sowie über das Leben in einfachsten Verhältnissen und der tägliche Kampf ums Überleben. Ich war begeistert, fasziniert, erstaunt über das dennoch strahlende Lächeln der Kinder, die Liebe und Dankbarkeit in den Kinderaugen, und die Herzlichkeit der Bolivianer, sowie die Schönheit der Natur, beispielsweise die Sanddünen in Santa Cruz.

Die Hauptaufgabe meines Freiwilligeneinsatzes lag in der Betreuung einer allein erziehenden Mutter mit ihren 8 Kindern in ihrem Lebensraum. Bereits die Busfahrt zu meiner Familie stellte sich als kleines Abenteuer heraus. Es war manchmal nicht ganz problemlos von einem Ort zum anderen zu gelangen, vor allem in der Regenzeit. Darüber hinaus zieht man als "Hellhäutige" unendlich viele Blicke auf sich, die auch sehr unangenehm, manchmal beängstigend werden können. In der Betreuung der Familie habe ich ganz viele schöne Momente, Erlebnisse und Erfahrungen sammeln können, an die ich jeden Tag voller Freude zurück denke.
Mit nur einfachen Spielen, Mandalas malen und Brettspielen hatten meine "niños" ein Funkeln und Strahlen in den Augen, dass ich nie mehr vergessen werden. Mit offenen Armen liefen sie mir entgegen und umarmten mich, so fest und voller Freude, dass die Stärke der Umarmung Überhand gewann. Die Zeit mit ihnen war nicht immer leicht, beispielsweise durch hygienische Verhältnisse, daraus resultierender Krankheit, sprachliche Barrieren und durch ihre für Europäer manchmal schwierige Mentalität.
Oftmals habe ich mir die Frage gestellt, was meine Arbeit wirklich bewirkt bzw. welchen Effekt sie auf die Familie haben würde, da die tatsächlichen Veränderungen nicht immer sichtbar sind und waren. Die schwierigsten familiären Verhältnisse, sozialen Defizite, Lernschwächen der Kinder, sowie Verhaltenauffälligkeiten machten die Betreuung oft sehr anstrengend, herausfordernd und intensiv…..auch wenn die Veränderungen vielleicht bis heute nicht wirklich bemerkbar sind, kann man den Kindern eines nicht nehmen: das Gefühl, dass jemand nur wegen ihnen kommt und ihnen seine Zeit schenkt, seine Liebe und Aufmerksamkeit.

Ich vermisse die Zeit mit den Kindern, die Herzlichkeit, Liebe und Offenheit, die einem entgegengebracht wurden.

Einen großen Dank an Anna-Maria, die mir meinen Aufenthalt ermöglicht hat! Danke an Famundi und an all die Bolivianer, die mir diese schöne Zeit geschenkt haben!

Eindrücke aus dieser Zeit







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Bericht vom 4. Aufenthalt in Bolivien

Im Februar konnte ich nun bereits zum 4. Mal einige Wochen (29. Jänner- 23. Februar) in Santa Cruz verbringen um für FAMUNDI neue Weichen zu stellen, manches zu klären, neue Familien in das Projekt aufzunehmen usw. Es ist beeindruckend für mich zu sehen, welch große Hilfe FAMUNDI für die Familien im Viertel Rancho Nuevo geworden ist.

Es war eine besondere Freude, dass mich heuer Kathrin Unterhofer (1982, studiert an der FH in Linz Sozialarbeit), eine langjährige Freundin aus Waizenkirchen, nach Bolivien begleitet hat. Wir beide haben wohl in diesen Wochen mehr gelacht als alle Bolivianer zusammen. Danke, liebe Kathrin!
Am Sonntag, 30. Jänner wurden wir mit einem überwältigenden Willkommensfest begrüßt, bei dem sowohl viele Tänze und Theaterstücke aufgeführt wurden, einige Eltern Dankesreden hielten und auch ein gemeinsames Abendessen stattfand. Unglaublich! Feiern können sie wirklich, die Bolivianer!

Am 1. Tag konnten wir bei einem FAMUNDI-Gebetsabend dabei sein, den Fredi und Jenny aus dem Evangelisationszentrum leiteten. In den Gesprächen mit den Eltern wurde jedoch der Wunsch laut, die Form des Gebetes zu verändern und deshalb bin ich froh, dass Leonor (Leiterin der Nähkurse und des Kinderprogramms) und ihr Mann Pablo bereit waren, als Ehepaar die Leitung des Gebetsabends zu übernehmen.

Groß war meine Freude, als ich die fertige Schneiderei zum 1. Mal sah!
Beeindruckend, was die Frauen dort schon alles genäht haben. Viele wunderschöne Stücke zeigten sie mir bei einer "Ausstellung" am Dienstag, 1. Februar in der Schneiderei. Auch ich wurde komplett eingekleidet. Während meines Aufenthalts wurde dann fest an Taschen und Schürzen gearbeitet, die es nun bei mir gegen eine Spende zu erwerben gibt.

In der 1. Woche hatte ich einen ganz genauen Besuchsplan: für jede Familie nahm ich mir etwa 1,5 Stunden Zeit um vor allem mit den Eltern bzw. einem Elternteil ein Gespräch zu führen über ihre Sorgen und Freuden, während Kathrin meist mit den Kindern spielte. Zu den meisten Familien begleitete mich Ruthy, die Koordinatorin von FAMUNDI, mit ihren Kindern Juan de Dios und Burgi. Ist sie nicht entzückend, die Kleine mit ihrer Mama?
Zum Schluss habe ich immer für die Familie um Gottes reichen Schutz und Segen gebetet, sie Jesus anvertraut und gesegnet. Außerdem bekam jede Familie zum Abschied ein San Damiano Kreuz aus Assisi.

Carnaval! Carnaval!
Erstmals verbrachte ich heuer den Fasching in Santa Cruz und durfte in dieser Zeit ganz ungewöhnliche Bräuche kennen lernen. Es wäre doch lustig, wenn wir uns nächstes Jahr am Faschingsmontag auch mit Wasserballons bewerfen würden? Etwas kalt vielleicht, bei unseren Temperaturen, doch in Bolivien sorgt dies für die richtige Abkühlung bei etwa 35°C! Doch auch wir ließen die Kinder an unseren Gewohnheiten teilhaben und so schminkte Kathrin unermüdlich die Gesichter unserer lieben chicos!

Was macht FAMUNDI wenn ein Fest gefeiert wird? Jeder bringt das mit, was er hat, doch leider fehlten dann immer wieder Tassen und Teller für das gemeinsame Essen. Mit den Spenden von den Jesus-Kids (Eine von Anna Zeller ins Leben gerufene Kindergruppe mit dem Ziel für FAMUNDI Geld zu sammeln. Dazu gehören: Anna und Lukas, Johannes und Tabea, Ines und Georg, Manuel und Sylvia) konnten wir 150 Tassen und auch die weißen T-Shirts für das Batiken kaufen. Die 9-jährige Veronika, die auch ganz eifrig für FAMUNDI Geld sammelt, ermöglichte den Kauf von 150 Tellern! Einem gemeinsamen Picknick steht nun nichts mehr im Weg.
Ein großes Dankeschön an unsere jüngsten Spender, die mich immer wieder mit ihrer Freude am Teilen überraschen!
Gott segne euch, denn es stimmt - Teilen macht mehr daraus (Motto der Jesus-Kids).

Ein weiterer Höhepunkt war ein Samstag-Vormittag, als Kathrin und ich mit den Kindern der 5 neuen FAMUNDI-Familien Leibchen batikten! Diese Technik, die den Kindern unbekannt war, löste großes Staunen in den Augen der Kinder aus. Ja, ich glaube wirklich: die Ergebnisse können sich sehen lassen, oder?

Da schon vier Mal versucht wurde in die Schneiderei einzubrechen - Gott sei Dank blieb es bei Versuchen - baten mich die Leiter von FAMUNDI eine Mauer rund um das Haus des Segens bauen zu lassen. Diese 2, 5 Meter hohe Hauer und das fest verschlossene Eingangstor sollen nun für die Sicherheit von Piedades und den Kindern sorgen. Möge Jesus seine Engel um sie stellen, denn auch die höchste Mauer garantiert natürlich keinen 100%igen Schutz!

Nach dem Fasching war ich entsetzt: das Haus des Segens und die Schneiderei waren noch schmutziger als schon die Tage zuvor! Denn am Faschingsdienstag beschmiert man die Häuser mit Schlamm! Deshalb beschloss ich, die Außenfassade des Hauses neu bemalen zu lassen. Als Valeria und Tania von der Schule heimkamen, trauten sie ihren Augen fast nicht: Was war nur mit dem Haus passiert!? Die Familien waren begeistert - das Zentrum erstrahlte in neuem Glanz - mögen die frischen Farben ein Zeichen sein für die Freude, die durch die Gemeinschaft FAMUNDI entsteht! Danke dem tollen Maler-Team: Kathrin, Darwin und Alexander!

Schon 2 Stunden nach unserer Ankunft suchte mich ein Vater von 10 Kindern aus Concepción (800 km von Santa Cruz entfernt) auf, der mich um Aufnahme in die Gemeinschaft FAMUNDI bat. Da er am Land keine Arbeit fand und die Kinder keine weiterbildenden höheren öffentlichen Schulen zur Verfügung hatten, wollte er in die Stadt ziehen, da sie oft schon nicht mehr wussten, wie sie sich ernähren sollten. Ich bat um eine Woche in der ich über diese Frage nachdenken und beten wollte und sagte dann zu, dass ich ein neues Grundstück kaufen würde in einem anderen, noch ärmeren Viertel, wo auch schon eine 2. FAMUNDI - Familie hingezogen ist, weil dort der Grund günstiger ist.

Familie Velez Montalván ist ein großer Segen für die gesamte Gemeinschaft FAMUNDI - das war uns vom ersten Tag an klar! So viel Liebe zwischen den Kindern, so viel Hilfsbereitschaft! Gabriel, der älteste Sohn, hat nun für FAMUNDI ein Programm am Computer, den ich heuer für das "Büro" bei Ruthy kaufte, installiert mit dem die Verwaltung von FAMUNDI in Santa Cruz gemacht wird. Ich war begeistert, wie verantwortungsvoll mit der Ausgabe jedes Kilo Reis umgegangen wird und wie exakt alles notiert wird. Wer nicht unterschreiben kann (Analphabeten) gibt eben einen Fingerabdruck!

Am 2. Tag kam Victoria Cesarí, eine Mutter von 6 Kindern weinend auf mich zu: Ihre jüngste Tochter Josefina (6 Jahre) hatte eine schwere, sehr gefährliche Augenentzündung und die Ärzte erklärten ihr, dass sie wahrscheinlich erblinden würde. Wir gingen gemeinsam mit der Kleinen und ihrer Mutter in ihre Holzhütte, legten ihr die Hände auf und beteten im Hl. Geist um Heilung für die Kleine, die große Schmerzen hatte. Dann schickte ich sie sofort wieder ins Krankenhaus und erklärte, dass FAMUNDI die Kosten aller Medikamente übernehmen würde.
Danke für das Gebet so vieler - Josefina ist wieder ganz gesund!

Wichtig war in diesen Wochen auch viel Arbeit an der Struktur von FAMUNDI. Ruthy ist nun Koordinatorin, die dem Leitungsteam von FAMUNDI (Piedades, Feli und Guilermo) vorsteht. Leonor ist quasi die professionelle Sozialarbeiterin, die für FAMUNDI arbeitet, aber nicht mit den Familien lebt. Sie kommt um das Kinderprogramm zu leiten, die Nähkurse und gemeinsam mit ihrem Mann die Vorträge zu halten und die Ehepaare beim Gebetsabend zu Jesus zu führen. Es war schön in dieser Zeit bei Sr. Klara wohnen zu dürfen, die auch in Zukunft das Spendenkonto verwalten wird und die Familien geistlich begleitet. Ich danke allen Verantwortlichen für ihren Dienst für FAMUNDI!


Ganz herzlich möchte ich mich bei allen bedanken, die Kathrin und mich während unserer Reise im Gebet begleitet haben. Wir fühlten uns sehr getragen und kehrten in großer Dankbarkeit nach Österreich zurück!
Seit meiner Rückkehr spüre ich ein noch verstärktes Interesse an FAMUNDI und es freut mich, dass so viele eine Patenschaft für eine der 26 FAMUNDI-Familien übernehmen. Gracias, Señor, mi corazón está agradecido!

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Bericht von Kathrin Unterhofer
Sonne, Wärme, Hitze (auch in der Nacht)
Kinder mit großen, dunklen Augen
Kinder mit Begeisterung in ihren Gesichtern
Kleine Holzhütten für große Familien
Ein Bett für drei Kinder
Armut (materiell) und Reichtum (an Zeit und Liebe)
Offene Menschen mit offene Herzen
Sprache des Herzen, denn die der Worte, hab ich (fast) nicht verstanden
Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft
Milchreis mit Vanille
Moskitos
Micros (Busse) die durchs Wasser fahren
Lachen mit Anna-Maria
Vertrauen
Feste
Tanzen
Abschied (der mir sehr schwer gefallen ist)

Das sind nur einige wenige Gedanken, die mir zu unserem Aufenthalt in Bolivien einfallen. Ich werde diese Erfahrungen und meine Gefühle nie in Worte fassen können. Es war einfach ein einmaliges Erlebnis, dass mich und mein Leben sehr bereichert und geprägt hat.
Ich danke FAMUNDI und Anna-Maria dafür, dass ich das erleben durfte und ich danke Gott, dass er uns begleitet hat. Ein Besonderes Danke, gilt aber allen Frauen und Männer, allen Mädchen und Buben, die Teil der Gemeinschaft sind und die mir für kurze Zeit, Einblick in ihr Leben gewährt haben und mich daran teilnehmen ließen.
Ich werde dieses Erlebnis und die Menschen nie vergessen und sie werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.

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